Investment Hypothese: Palantir

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Um Palantir ranken sich eine Vielzahl von Mythen. Gegründet in 2003, in 2004 mit Seed-Funding von der CIA ausgestattet und in 2012 US Special Forces im Irak unterstützt, hat sich das Unternehmen von Anfang an auf die komplexesten Entscheidungen bei weltweit relevanten Organisationen konzentriert. Unserer Einschätzung nach steht Palantir gerade am Anfang einer exponentiellen Entwicklung, in der die Lösungen des Unternehmens, die über Jahre insbesondere bei Regierungen und regierungsnahen Organisationen eingesetzt worden sind, breit bei großen und mittelgroßen Unternehmenskunden ausgerollt werden. Zu den Risiken zählen unter anderen die bislang noch hohe Kundenkonzentration, die Governance-Struktur des Unternehmens und des Eigenkapitals, aber auch Projekte, die auf Basis ihrer Natur im Verborgenen stattfinden. Wir wollen in dieser Analyse beide Seiten beleuchten.

Palantirs Produkte konzentrieren sich – in aller Kürze – auf das Aggregieren und Analysieren von großen unstrukturierten Datenmengen. Ziel ist es, Entscheidungen besser, schneller und mit einer klaren Perspektive auf die wahrscheinlichen Implikationen treffen zu können. Eine größer werdende Anzahl von Unternehmen nutzt Palantir Software in der Zwischenzeit als übergreifendes “Operating System” und obersten Layer über einer Vielzahl von Daten und Schnittstellen. Anwendungsfälle erstrecken sich von der Optimierung von Wertschöpfungsketten und Produktionsprozessen, über Working Capital Management, der Steuerung der Abläufe bei der Wartung bei Flugzeugen, dem Analysieren von Sanktionen in einer Anwaltskanzlei, die Analyse möglicher Geldwäschefälle in Banken, das Erkennen von Versicherungsbetrug über das Ausrollen einer Covid-19 Impfkampagne bis hin zur Analyse und Erkennung von Gefahren in Kriegseinsätzen.

Attraktivität des Marktes

Der Markt für Business Intelligence / Analytics Data Management ist laut IDC in 2024 etwa 250 Milliarden US-Dollar groß. Palantir selber hat den adressierbaren Markt in 2020 mit ungefähr 120 Milliarden US-Dollar beziffert. Zweifelsohne existiert hier ein signifikanter Markt. Darüber hinaus haben mehrere Investmentbanken zum Zeitpunkt des Palantir IPOs (Herbst 2020) Umfragen bei CIOs großer Unternehmen durchgeführt. Die Credit Suisse kam dabei zu dem Ergebnis, dass 55 % aller CIOs Business Intelligence als eine ihrer Top-Prioritäten ansehen. Einzig das Thema Cyber Security kommt mit 65 % auf eine höhere Priorisierung, während z.B. Cloud, ERP oder Collaboration Tools einen deutlich niedrigeren Stellenwert einnahmen.

Business Intelligence Markt

Einer der elementaren Bestandteile des 10xDNA-Investmentansatzes ist die Suche nach Märkten, die drei Charakteristika aufweisen. Diese sind aus unserer Sicht im Fall des von Palantir adressierten Marktes in besonderem Maße erfüllt.

  1. Ineffizienzen: Komplexe und unstrukturierte Daten sowie nicht-integrierte Systemlandschaften.

  2. Technische Disruptionskraft zur Adressierung der Ineffizienzen: Durch Datenaggregation, Analyse und künstliche Intelligenz besteht signifikantes Disruptionspotential

  3. Skalierbarkeit der Technologie: Hohes Maß an Skalierbarkeit, insbesondere mit abnehmendem Spezifizierungsgrad (siehe Diskussion des Geschäftsmodelss weiter unten).

Technologieanalyse und Positionierung im Wettbewerbsumfeld

Palantir bietet zwei Datenanalyse-Plattformen an: Gotham und Foundry. Gotham wird überwiegend von Regierungen und regierungsnahen Organisation eingesetzt, während Foundry das Angebot für Unternehmenskunden darstellt. Zum Launch in 2008 wurde Gotham von einer Mehrzahl der Kunden noch auf den eigenen Servern eingesetzt. Foundry ging in 2016 als “cloud-native” mit einem “Software as a service” Modell an den Markt, was sich inzwischen auf beiden Plattformen als Standard durchgesetzt hat. Mittlerweile werden beide Plattformen von “Apollo” betrieben, das als zusätzliche Plattform im Hintergrund arbeitet und als eine Art Betriebssystem die verschiedenen Anforderungen der Gotham- oder Foundry-Kunden, z.B. separate Clouds, besondere Bedingungen an die Konnektivität und spezifische Anforderungen an Updates adressiert.

Palantir bietet mit beiden Plattformen eine einzigartige Datenfabrik, dessen Alleinstellungsmerkmal vor allen Dingen darauf basiert, dass das Unternehmen bereits seit über 18 Jahren signifikant in Forschung & Entwicklung investiert und seine Wurzeln in Anwendungsfällen mit allerhöchsten Anforderungen an analytische Schärfe, Sicherheit und Einsatz unter erschwerten Bedingungen hat. Diese Wurzeln haben die DNA des Unternehmens geprägt und zu sieben Faktoren geführt, in denen die technologische Stärke des Unternehmens begründet liegt:

  • Palantirs Software-Defined Data Integration (SDDI) erlaubt es, mit geringem Aufwand bestehende Systeme von Unternehmen an Palantir anzubinden. So können bestehende ERP- oder CRM-Systeme innerhalb weniger Stunden oder Tage an die Analyseplattform angebunden werden, die sog. Ontology. Gleichzeitig bietet Palantirs “Open API” mit seinen offenen Dateiformaten und vielfältigen Exportmöglichkeiten viele Möglichkeiten, die Daten von Palantir in weiteren Systemen zu nutzen.
  • Beste Analysekapazität im Markt mit Hilfe von übersichtlichen Entscheidungsbäumen und grafischen Darstellungen, die alle verfügbaren Informationen zusammenführen und unter Nutzung von künstlicher Intelligenz ermöglichen, Szenarien zu simulieren und datenbasierte Entscheidungen zu treffen
  • Flexible und schnelle Implementierung von Kundenanforderungen in jedem Umfeld von der Standardapplikation bis zum Einsatz in Krisengebieten durch Apollo als Betriebssystem hinter den Plattformen
  • “Multi-Layer” Sicherheitsmodell, das aufgrund der ersten Projekte von Palantir für Regierungen und regierungsnahe Organisationen seit jeher Teil der DNA des Unternehmens ist (“Cyber Security by Design”) und nach unserem Kenntnisstand bislang nicht gehackt werden konnte. Die Zusammenarbeit mit der CIA erforderte beispielsweise von Anfang an die höchsten Standards bei Sicherheitsprotokollen. Palantir ist eins von vier Unternehmen weltweit, das über eine “Impact Level 5 Clearance” des Verteidigungsministeriums der USA verfügt – und als erstes Unternehmen ein “Impact Level 6” anstrebt. Zum Vergleich: Google verfügt über eine “Impact Level 2” Klassifizierung.
  • Einfach zu verstehendes und zu nutzendes User Interface (UI), das auch Mitarbeitern aus nicht-technischen Bereichen erlaubt, Analysen zur Entscheidungsfindung durchzuführen
  • Aufbau von Entwicklergemeinschaften innerhalb der Kunden, die dank des intuitiven UI’s nach der Implementierung der Plattform das System selbstständig weiterentwickeln können
  • “Forward Deployed Engineers” (“FDEs”) in der Implementierung der Palantir Lösungen bei Kunden – dieses Konzept entstammt ebenfalls aus der Historie des Unternehmens und hat seinen Ursprung im gemeinsamen “Training” von Palantir Ingenieuren mit US Special Forces. Die FDEs helfen Kunden bei der Identifizierung der richtigen Anwendungsfälle, stellen eine ordnungsgemäße Implementierung sicher, führen Trainings durch und optimieren auch die weitere Entwicklung und den Einsatz der Software in den Unternehmen. Wichtig: Der Einsatz von FDEs ist bei vielen Anwendungsfällen in der Zwischenzeit nicht mehr im gleichen Umfang erforderlich, was eine schnellere Skalierung erlaubt.

Palantir Wertschöpfungskette

AWS, Microsoft, Google und Snowflake investieren aktuell signifikant in die Entwicklung künstlicher Intelligenz und sind sicherlich über Zeit ernstzunehmende Wettbewerber. Im Bereich Services und Implementierung sind auch Unternehmensberatungen wie Accenture und Deloitte aktiv. Raytheon und BAE Systems sind wahrscheinlich die wichtigsten Mitstreiter im Bereich Regierungen. Aktuell glauben wir aber, dass keiner der Wettbewerber eine ähnlich integrierte Lösung wie Palantir bieten kann. Bedingt durch die DNA des Unternehmens und die sich selbst verstärkende Innovationskraft sehen wir ähnlich wie bei Tesla auch bei Palantir keinen Stillstand in absehbarer Zeit.

Welche Risiken sehen wir?

Das größte Risiko stellt aus unserer Sicht der Versuch einiger Unternehmen dar, der Heterogenität ihrer Daten und ihrer Systeme eigenständig Herr zu werden. Sie setzen hierfür meist auf proprietäre Lösungen, wodurch Palantir erst gar nicht ins Gespräch mit diesen Unternehmen kommt.

Palantir braucht in der Regel im ersten Schritt einen Ansprechpartner auf CIO Level, um dann auf N-1 und N-2 Level zu überzeugen. Ohne eine positive Erfolgs- und Erfahrungsbilanz (wie sie zum Beispiel SAP bei vielen Unternehmen vorweisen kann), sind diese Gespräche keine Selbstläufer. Sollte Palantir hier nicht überzeugen können, kann das den bislang exponentiellen Wachstumspfad deutlich bremsen und sich signifikant auf die Wertentwicklung auswirken.

Unsere Gespräche innerhalb der adressierten Branchen haben zudem ergeben, dass Palantir Produkte anbietet, “5-7 Jahre bevor Unternehmen merken, dass sie sie wirklich brauchen” – dies könnte zur Hürde beim Verkaufszyklus werden.

Alle relevanten Wettbewerber werden signifikant in integrierte Fähigkeiten im Bereich Business Intelligence investieren. Sollte einer der Wettbewerber zu Palantir aufschließen können oder das Unternehmen überholen, würde auch das sich entsprechend auf die Wertentwicklung auswirken.

Einschätzung des Managements und/oder der Gründer sowie der Unternehmenskultur

Palantir wurde 2003 von Peter Thiel, Alex Karp, Joe Lonsdale, Stephen Cohen und Nathan Gettings gegründet. Vier der fünf Gründer kannten sich aus ihrer vorherigen gemeinsamen Zeit bei PayPal. Noch heute können die Gründer über eine spezielle Aktionärsstruktur in weitem Maße Kontrolle über das Unternehmen ausüben und sind überwiegend noch in operativen oder kontrollierenden Funktionen im Unternehmen tätig. Die zwei wichtigsten Einflussnehmer sind aus unserer Sicht Alex Karp, der das Unternehmen als CEO leitet, und Peter Thiel, der als Chairman of the Board agiert – ähnlich einem Aufsichtsratsvorsitzenden im deutschen “Two Tier Board”-System.

Alex Karp hat das Unternehmen seit der ersten Stunde mit aufgebaut und ist aus unserer Sicht ein visionärer Unternehmenslenker mit einem tiefen Technologieverständnis. Er hat Wirtschaft, Jura und Philosophie unter anderem in Stanford und Frankfurt studiert und dann in mehrere Startups investiert. Auf der basis des Erfolgs dieser Investments gründete er dann einen kleineren Vermögensverwalter für Freunde (Caedmon Group). Neben seiner Tätigkeit bei Palantir war er in den Aufsichtsräten von Axel Springer und BASF tätig. Er hat Palantir in beeindruckender Art und Weise entwickelt und ist unserer Auffassung nach genau der richtige CEO für die weitere exponentielle Entwicklung des Unternehmens.

Auch das weitere Management-Team ist aus unserer Sicht stark besetzt. Stephen Cohen spielt weiterhin eine operative Rolle, auch auf den Kernpositionen (Finanzen, Recht, Operatives) sitzen namhafte Manager mit entsprechender Erfahrung. Palantir hat es geschafft, ein Team mit umfangreichem Talent im Bereich Software, künstliche Intelligenz und Implementierung aufzubauen. Die verschiedenen “Demo Events” haben dies in den letzten Monaten immer wieder gezeigt.

Peter Thiel als Chairman of the Board ist sicherlich einer der am besten vernetzten Unternehmer und Investoren im Silicon Valley und bringt sehr viel Erfahrung im Bereich Software und Technologie mit.

Welche Risiken sehen wir?

Sowohl Alex Karp als auch Peter Thiel sind sicherlich kontroverse Figuren (siehe z.B. “The Contrarian: Peter Thiel and Silicon Valley’s Pursuit of Power”), die sich sehr klar öffentlich positionieren, auch oder gerade in politischen und ethischen Fragen. Dies birgt auch immer wieder ein “Headline”-Risiko, was dazu führen kann, dass Unternehmen oder Organisationen sich gegen eine Zusammenarbeit mit Palantir entscheiden. Dies kann sich signifikant auf die weitere Wertentwicklung des Unternehmens auswirken, worauf wir im Abschnitt Nachhaltigkeit nochmal tiefer eingehen.

Eine erfolgskritische Herausforderung für fast jedes Tech-Unternehmen liegt darin, Talent zu akquirieren. Um in den nächsten Jahren erfolgreich wachsen zu können, muss Palantir in seinen Kernbereichen, wie Künstliche Intelligenz, Softwareentwicklung, FDEs und Sales, die führenden Köpfe für sich gewinnen. Dies gilt insbesondere für den Launch von neuen Produkte, aber auch den Ausbau des Geschäfts außerhalb der USA. Sollte Palantir nicht in der Lage sein, entsprechendes Talent zu gewinnen, kann sich das maßgeblich auf die Wertentwicklung des Unternehmens auswirken.

Beurteilung des Geschäftsmodells, der Strategie und der operativen Umsetzung

Wir glauben, dass Palantir am Anfang einer weiteren exponentiellen Entwicklung steht und seine technologischen Fähigkeiten zunehmend mit Foundry auf den Unternehmensbereich übertragen können wird. Das Geschäftsmodell verspricht einen hohen Anteil wiederkehrender Umsätze und eine sehr attraktive Bruttomarge von 82% in Q2 2021. Die sogenannte “Contribution Margin”, also Bruttomarge abzgl. SG&A betrug in Q2 2021 58%.

Darüber hinaus ist das Geschäft von Palantir immer noch von einer hohen Kundenkonzentration gekennzeichnet. In 2021 wird Palantir unseren Einschätzungen zufolge knapp 200 Kunden bedienen, von denen etwa 70% im Bereich Gotham liegen. Der durchschnittliche Umsatz der Top 20 Kunden beträgt dabei laut Q2 2021 Reporting etwa 40 Millionen US-Dollar, der durchschnittliche Umsatz über alle Kunden liegt bei etwa 8 Millionen US-Dollar. (+20% vs. letztem Jahr). Wir sehen das dadurch entstehende Konzentrationsrisiko, bewerten die Chance, die Anzahl der Kunden – insbesondere im Bereich Foundry – auszuweiten, jedoch als deutlich größer. Das Umsatzwachstum in H1 2021 betrug knapp 50%, dabei wuchs der “US Commercial Revenue”, der maßgeblich von Foundry getrieben ist, um etwa 90%, also deutlich überdurchschnittlich.

Wir erwarten die Fortsetzung dieses Trends. Palantir hat im ersten Halbjahr 2021 über 100 Sales Mitarbeiter eingestellt und fängt jetzt erst an, den Verkauf von Produkten zu professionalisieren und neue Märkte (beispielsweise Deutschland, Österreich, Schweiz) strukturiert zu erschließen. Darüber hinaus haben unsere Expertengespräche ergeben, dass sich die Implementierungsdauer von Foundry bereits signifikant verringert hat und sich voraussichtlich über die nächsten Monate und Jahre weiter verringern wird – von mehreren Wochen über mehrere Tage hin zu wenigen Stunden. Über die nächsten Jahre könnte Palantir sich zu einer “Direct to Consumer” Plattform entwickeln, die sehr limitierten Implementierungsaufwand verursacht. Hier profitiert das Unternehmen von der langjährigen Technologieerfahrung, ihrer künstlichen Intelligenz, Apollo als Backend Betriebssystem und einem Implementierungsmodell, was Unternehmenskunden erlaubt, zunehmend selber die erforderlichen Spezifizierungen vorzunehmen. Darüber hinaus glauben wir nach unseren Gesprächen mit Palantir-Kunden, dass das Momentum im Bereich Gotham anhalten wird, wenn auch nicht mit der gleichen Dynamik wie im Bereich Foundry.

Palantir strebt danach, mit seinen Lösungen die relevantesten Organisationen bei den wichtigsten Vorhaben zu unterstützen. Deutlich reduzierte Implementierungszeiten verringern die Hürde einer Integration der Software in Unternehmen. Auf Basis dieser Erkenntnisse könnte Palantir in 2030 deutlich über 1.000 Kunden bedienen, ähnlich wie große Unternehmensberatungen wie Boston Consulting Group oder McKinsey & Company. Wir glauben auch, dass das Unternehmen in der Lage sein wird, den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde weiter signifikant zu steigern und bis 2030 etwa zu verdoppeln. Bereits heute sind die Umsätze von Palantir, getrieben durch die Breite der Services und den Anspruch, ein wirkliches Betriebssystem zu sein, in einer ganz anderen Größenordnung als andere “Software as a service” Modelle, wie z.B. UiPath oder Hubspot (die wir übrigens ebenfalls für großartige Unternehmen halten).

In Verbindung mit der hohen Bruttomarge und dem wiederkehrenden Umsatz aus “Subscription Revenues” führen diese beiden Wachstumstrends aus unserer Sicht zu einem sehr attraktiven Finanzprofil über die nächsten Jahre.

Es wurde zuletzt viel darüber diskutiert, dass Palantir sich Umsatz durch Eigenkapitalbeteiligungen an jungen Technologieunternehmen teuer einkauft. Von den 20 Neukunden aus Q2 2021 ist Palantir bei sieben Unternehmen mit Eigenkapital an den Unternehmen oder den zugehörigen SPACs beteiligt, so zum Beispiel bei Wejo (Software für Connected Cars), Gecko Robotics (Roboter) und FastRadius (3D Druck). Natürlich kann man darüber diskutieren, ob all diese Unternehmen auch ohne Eigenkapitalbeteiligung Kunden wären. Grundsätzlich sind wir hier aber fundamental anderer Meinung als einige Research-Analysten: Investitionen in junge Technologieunternehmen sind aus unserer Sicht ein wirklich kluger Weg, um:

  1. Ein Palantir-Ökosystem aufzubauen und mit den Unternehmen zu wachsen
  2. Deutlich breitere Einblicke zu erhalten und die Software sowie die künstliche Intelligenz dahinter auf dieser Basis zu optimieren und
  3. Ein wirklich starkes VC-artiges Portfolio aufzubauen, was die Chance auf signifikante Renditen bietet (siehe hier auch Tencent’s herausragendes VC-Portfolio)

Welche Risiken sehen wir?

Unsere Beurteilung des Unternehmens beruht auf der Chance exponentiellen Wachstums. Kundenakquise wird bei Palantir oft durch Pilotprojekte getrieben, die keine oder nur eine sehr niedrige Vergütung erzielen. Sollte Palantir durch diese Projekte nicht in der Lage sein, Kunden zu gewinnen, kann sich das sehr nachhaltig auf die Wertentwicklung auswirken. Auch der durchschnittliche Umsatz pro Kunde entwickelt sich in unseren Annahmen deutlich nach oben, auch wenn er bereits jetzt stark über anderen Software as a Service Unternehmen liegt. Palantir wird von Kunden generell als teuer empfunden, was dieses Risiko unterstreicht.

Auch ein Verlust bei einer der signifikanten Investitionen in junge Technologieunternehmen kann sich negativ auf den Unternehmenswert auswirken.

Wichtiger Punkt: Auf der Kostenseite hat Palantir über die letzten Quartale immer sehr progressiv mit sogenannter “stock-based compensation” gearbeitet, bei der Aktien an das Top-Management zu vergünstigten Preisen ausgegeben worden sind. Dies hat in den letzten Quartalen dazu geführt, dass die nicht-adjustierten operativen Ergebnisse negativ waren. In 2020 wurden beispielsweise etwa 1,3 Milliarden US-Dollar (!) in diese Art der Kompensation investiert. Diese Ausgabe von Aktien war nach unserem Verständnis an den IPO und entsprechende Zugehörigkeit im Unternehmen gebunden. Diese Praxis führt in der Regel zur Verwässerung der anderen Aktionäre, da neue Aktien zu niedrigeren Preisen (dem entsprechenden Ausübungspreis der Option - “Strike”) ausgegeben werden. Nach unserem Verständnis stehen weiterhin etwa 30% des Gesamtaktienkapitals an Aktienoptionen und Restricted Stock Units aus, was zu weiterer Verwässerung der Aktionäre führen kann. Wir sind für gleichgerichtete Interessen zwischen Aktionären und Top-Management. Aktienoptionen oder RSUs, die immer nur so wertvoll sind, wie der Aktienkurs minus dem Ausübungspreis der Option sind aus unserer Sicht ein gutes Mittel, genau dies zu erreichen. Die Größenordnung und die mögliche Verwässerung liegen hier im Marktvergleich aber sicherlich am oberen Ende. In unserer Bewertung des Unternehmens adjustieren wir daher “Stock-based compensation”-Kosten, werden aber weitere Verwässerung sehr genau im Auge behalten. Wir gehen auf der Basis der Veröffentlichungen im letzten Quartalsbericht davon aus, dass sich die Höhe der Kompensation schon im nächsten Jahr halbieren wird und in 2025 nur noch zwischen 100 und 200 Millionen US-Dollar liegen wird. Sollte das Unternehmen diese Praxis aber übermäßig weiterführen, kann dies zu negativen Auswirkungen auf die Wertentwicklung führen.

Prüfung politischer oder anderer struktureller Risiken

Palantir positioniert sich sehr klar als ein Unternehmen, das die Regierung und regierungsnahe Organisationen in den USA und innerhalb der Gruppe der Verbündeten der USA unterstützt. Dies hat beispielsweise dank der hohen Sicherheitseinstufung durch das US Verteidigungsministerium signifikante Vorteile bei Aufträgen in diesem Bereich. Es schließt aber zeitgleich auch gewisse Geografien aus und schränkt somit das Wachstum an anderer Stelle ein.

Darüber hinaus sorgt eine entsprechend klare Positionierung in Kombination mit der Arbeit mit sensiblen Daten, in Konflikten oder bei Geheimdienst-nahen Operationen immer auch für “Headline Risk”. Der ein oder andere Unternehmenslenker mag dies im Rahmen einer Entscheidung als nicht zuträglich empfinden. In der Vergangenheit gab es bereits entsprechend negative Presseberichterstattung zum Unternehmen.

Auf der anderen Seite sehen wir einen immer weiter steigenden Trend zu erhöhten Sicherheitsanforderungen auf Basis von regulatorischen Anforderungen, aber oftmals auch als klarer Teil der Unternehmenspolitik. Wir glauben, dass Palantir davon profitiert. “Dass das Unternehmen noch nie gehackt worden ist”, empfand einer der Palantir-Kunden, mit denen wir sprachen, “als riesigen Verkaufspunkt”.

Analyse der Nachhaltigkeit des Unternehmens entlang definierter ESG-Kriterien

Aus ESG-Sicht wird Palantir sicherlich eher kontrovers betrachtet. Grundsätzlich verstößt das Unternehmen nicht gegen eines unserer Ausschlusskriterien oder den UN Global Compact und ist von MSCI zuletzt von CCC auf B hochgestuft worden,was allerdings immer noch die zweitniedrigste Stufe ist.

Die Bedenken drehen sich insbesondere um 3 Themenfelder:

  1. Die Arbeit für Regierungen und regierungsnahe Organisationen, u.a. auch in Konflikten
    Palantir arbeitet u.a. mit der US-Regierung oder den US-Geheimdiensten und generiert immer noch die Mehrheit der Umsätze aus der Arbeit mit Regierungen oder regierungsnahen Organisationen. Darüber hinaus pflegt das Top-Management nach unserer Kenntnis breite Beziehungen in regierungsnahe Kreise. Dies birgt grundsätzlich die Gefahr von Korruption. Das Unternehmen hat laut MSCI breite Unternehmensrichtlinien zum Thema Korruption sowie “Whistleblower”-Vorschriften implementiert. Auch wenn wir dies schwierig überprüfen können, bleibt es unsere Basisannahme. Hinsichtlich der fehlenden politischen Neutralität glauben wir, dass Palantirs Aktivitäten “net-positiv” für die Gesellschaft sind und die Intelligenz des Unternehmens zum Großteil auf den richtigen Themen eingesetzt wird. Dies wird aber weiterhin ein Risiko bleiben und von außen aus unserer Sicht niemals abschließend beurteilbar sein.
  2. Die Arbeit mit sensitiven Daten
    Palantir arbeitet regelmäßig mit sensitiven Daten. Der MSCI Research Report geht von “robusten Datensicherheitssystemen und Prozessen bei Palantir aus. Allerdings stellt sich weiterhin die Frage, ob zu jeder Zeit Datenschutzstandards eingehalten werden, insbesondere in der Arbeit mit Geheimdiensten.
  3. Die nicht-symmetrische Aktionärsstruktur und die Kontrolle durch die Gründer
    Palantir verfügt über drei Aktienklassen, A, B und F. Die A-Aktien (in die Streubesitzinvestoren investieren) haben dabei jeweils ein Stimmrecht pro Aktie, die B-Aktien jeweils 10 Stimmrechte und die F-Aktien haben variable Stimmrechte. In der Kombination Ihrer A, B, und F-Aktien kontrollieren Alexander Karp, Stephen Cohen und Peter Thiel mindestens 49,9 %, was auf jeder Aktionärsversammlung eine faktische Mehrheit bedeutet. Darüber hinaus ist auch ein Großteil der Board-Mitglieder nicht unabhängig. Obgleich wir solche Strukturen eher kritisch sehen, erkennen wir an, dass die drei Gründer bereits seit fast 20 Jahren zeigen, dass sie das Unternehmen massiv nach vorne bringen können und es unter ihrer Führung exponentiell wachsen kann.

Wir sind der Meinung, dass Palantir, auch aufgrund der klaren politischen Positionierung, am Ende einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft hat. Terroranschlägen vorzubeugen, Gefahrensituationen in Konflikten zu analysieren oder auch den Roll-Out einer Impfstopfkampagne zu unterstützen, führt uns zu einer insgesamt positiven Bewertung im ESG-Kontext. Dennoch sollte sich die Aktionärsstruktur idealerweise über Zeit ändern und den Streubesitzaktionären deutlich mehr Rechte einräumen.

Perspektive auf die Unternehmensbewertung

Für unsere Unternehmensbewertung von Palantir haben wir mehrere Szenarien zugrunde gelegt. Unser “Main Case” stützt sich dabei auf die folgenden Kernannahmen.

Alle Zahlen sind gerundet

2021E 2025E 2030E Kommentar
Umsatz gesamt (USD Mio.) 1.600 20.000 52.000
Umsatz Gotham (USD Mio.) 900 4.000 9.500
Anzahl Kunden Gotham 80 195 330
Durchschnittlicher Umsatz / Kunde Gotham (USD Mio.) 12 21 28 Top 20 Kunden machen in 2021 knapp USD 40 Mio. pro Kunde
Umsatz Foundry (USD Mio.) 700 16.000 42.500
Anzahl Kunden Foundry 115 1.050 2.000 Kern-Wachstumstreiber Roll-out bei Unternehmenskunden mit signifikant verkürzten Implementierungszeiten
Durchschnittlicher Umsatz / Kunde Foundry (USD Mio.) 6 15 21 Top 20 Kunden machen in 2021 knapp USD 40 Mio. pro Kunde
Bruttogewinn (USD Mio.) 1.300 16.100 41.500
Bruttomarge 80 % 80 % 80 %
SG&A in % vom Umsatz 45 % 40 % 40 %
R&D in % vom Umsatz 18 % 15 % 15 %
Stock-based Compensation (USD Mio.) 800 (!) ca. 100‑200 ca. 100‑200
Adj. EBITDA (vor Stock-based Compensation) (USD Mio.) 97 5.000 13.000
EV/EBITDA Multiplikator 30x 20x Höher als “Mature Tech Multiple” abgeleitet von Apple LTM Multiplikator (22x) basierend auf Wachstums-Profil post 2025
Enterprise Value (USD Mio.) 150.000 260.000
Annahme Netto­verschuldung Negativ 0 0
Annahme Anzahl Aktien (in Mio.) 2.000 2.500 3.000
Zielwert pro Aktie (in USD) 60 86
Gemittelter Zielwert (in USD) 73
Weiteres Potential aus neuen Produkten ? Launch von weiteren Plattformen und breitere Nutzung der Software / KI in weiteren Anwendungsbereichen?